Ein neuer Blick auf Heilung

Heilung ist für mich der Weg zurück zu dem, was nie zerbrochen war.

Das Wort „Heilung“ wurzelt im althochdeutschen „heil“ und bedeutet „ganz“, „vollständig“ und „unversehrt“.

… Mantras: der kurze Weg nach Hause

Wenn ich gemeinsam mit anderen Menschen in den Gesang einfacher Mantras eintauche, komme ich dem Spüren von Heil-Sein näher. Tiefe Entspannung, Verbundenheit und innerer Frieden dehnen sich von alleine aus. Manchmal ist es ein beglückendes Gefühl von „zu Hause“ ankommen.

Heilung in diesem Sinne ist kein Prozess des Reparierens, sondern des Erinnerns, dass unter all dem Stress und all den Geschichten etwas Unverletztes ist.

Vor einigen Jahren entstand mit meiner Frau zusammen das Lied: „In Wahrheit bist du vibrierendes Glück und pure Liebe.“ Dem Verstand ist das zu hoch. Aber im Singen können wir es fühlen.

Dieses Fühlen von innerem Frieden und Verbundenheit setzt machtvolle Regenerations- und Heilungs-Prozesse im Körper, im Nervensystem und in der Psyche in Gang. Mir hat das Singen auf diese Weise immer wieder innere Stabilität geschenkt und Kraft, durch schwierige Lebensphasen hindurch zu gehen.


… was, wenn die Krankheit bleibt?

Und manchmal ignorieren die Körpersymptome sämtliche Heilungsbemühungen. Es wirkt einfach nicht…

Was wäre, wenn dies die Einladung zu einer tieferen Heilung ist - unabhängig vom körperlichen Zustand?

Die heilsamen Gesänge können uns unterstützen, einfach in diesem Moment anwesend zu sein -jenseits von Hadern und Widerstand. Das öffnet die Tür für einen tief berührenden Frieden – Frieden mit dem, was ist. So besingt es Mark Fox in einem seiner Mantras: „In diesem Augenblick fängt alles an, ist alles gescheh’n, ist alles geheilt.“ Die Musik baut uns eine Brücke, dies zu erfassen.

… ich bin gesund und habe Krebs.

Meine Coaching-Ausbilderin sagte einmal: „Ich bin gesund und habe Krebs.“ Sie meinte damit, dass Gesundheit eine Haltung ist und dass die meisten Körperfunktionen tadellos ihren Dienst tun.

Aus dieser Haltung tun wir alles, was dem Heilungsprozess dient – aber kämpfen nicht gegen die Krankheit. Und wir schauen, in welchen Entwicklungsprozess uns das Leben möglicherweise durch diese Symptome einladen möchte. Was möchte der Körper uns mitteilen?

Wenn wir diese Forscherbrille „Krankheit als Sprache der Seele“ (Rüdiger Dahlke) aufsetzen, dann sollten wir sehr sanft mit uns umgehen und wissen, dass Manches nicht zu begreifen ist und unsere Hingabe braucht.


… ein neuer Blick auf „Krankheit“ und „Gesundheit“

Mich hat der amerikanische Heiler Joel S. Goldsmith beeindruckt, der im letzten Jahrhundert durch zahlreiche spektakuläre Heilerfolge bekannt wurde. Seine genauso radikale wie einfache Methode bestand darin, sich zu weigern, den Menschen vor ihm als krank zu sehen. Er schaute durch die oberflächlichen Schleier der Krankheit hindurch auf den gesunden, leuchtenden, ewigen Kern seines Gegenüber. Dadurch wurde es den Menschen in sehr vielen Fällen möglich, sich an ihr eigenes Heil-Sein zu erinnern und sie wurden gesund.

… was Indien mich gelehrt hat

Ursprünglich als Ingenieur unterwegs, führte mich mein eigener Weg über verschiedene „Zufälle“ nach Indien. Über 20 Jahre hinweg bin ich dort jedes Jahr immer wieder eingetaucht. Es entstand in mir die Ahnung, dass die eigentliche Krankheit in der Verwirrung besteht, zu denken, dass wir ein einzelnes, verletzbares, abgetrenntes Wesen sind.

Heilung bedeutet somit die Heilung dieses Irrtums und das tiefe Spüren der eigenen Verbundenheit mit dem Großen Ganzen – der Schritt vom Abgetrennt-Sein ins Verbunden-Sein.

Die meisten Mantras wollen uns genau in dieses Erleben hineinführen, wenn wir uns ihrem Gesang hingeben. In Indien wird dies Bhakti Yoga genannt – der Weg der liebenden Hingabe.

Nirgendwo können wir Verbindung leichter spüren als im Klang.

… die Kraft des „Heilsamen Singens“

Aber selbst wenn dir das alles zu weit weg ist, profitierst du dennoch von der erstaunlichen Heilkraft des Singens jenseits von richtig und falsch.

Die Atmung vertieft sich, der Vagusnerv wird aktiviert und Stresshormone werden abgebaut. Bereits nach 20 Minuten Singen schüttet dein Körper einen heilsamen Cocktail aus Hormonen und Glücksbotenstoffen aus. Du spürst Vertrauen ins Leben und ein Gefühl von Verbundenheit.
Deine Stimme ist das Elixier, das du immer dabei hast.

Und manchmal geschieht noch etwas Tieferes: Wer lernt, die eigene Stimme wirklich zu befreien – jenseits von Kontrolle und Selbsturteil – berührt in sich einen Kern, der sich nicht mehr verleugnen lässt.

Der große Musiker Yehudi Menuhin hat es im Gespräch mit Karl Adamek, dem Pionier des Heilsamen Singens, auf den Punkt gebracht: „Wenn einer aus seiner Seele singt, heilt er zugleich seine innere Welt. Wenn alle aus ihrer Seele singen und eins sind in der Musik, heilen sie zugleich auch die äußere Welt.


Jochen Bockholt
heilsames-singen-hannover.de

Eine Anmerkung zum Schluss: Dieser Text lädt ein, Heilung aus einer weiteren Perspektive zu betrachten. Er ersetzt selbstverständlich keine ärztliche oder therapeutische Begleitung – und soll das auch gar nicht. Beides hat seinen Platz.